EKKEHARD GNADLER PHOTOGRAPHIEN |
Wollte ich in wenigen Worten Finnisch-Lappland im Winter beschreiben, so fallen mir zuvorderst Wesensmerkmale ein wie Stille, Ruhe, Weite, Einsamkeit und Tiefe. Unweit des nördlichen Polarkreises beschreibt die Sonne im Verlauf eines kurzen Tages im Februar einen flachen Tagbogen über dem Südhorizont, und die Dämmerungszeiten morgens wie abends halten spürbar länger an als es in südlicheren Gefilden zur selben Jahreszeit der Fall ist. Im Meridian ragt der Sonnenhöchststand kaum höher als über die Baumwipfel schlanker Kiefern, die vollbepackt sind mit Eis und Pulverschnee. Schatten sind lang. Die Region rund um den kleinen Ort Kuusamo ist geprägt von dichter Bewaldung und zahlreichen zugefrorenen Seen. Die Besiedlung ist spärlich, sieht man von einem Ski-Ressort in Ruka und von einer Hotelanlage bei Kuusamo ab. Hier und da stehen kleine Hütten im Wald oder an Ufern. Einige Motorschlitten oder Flugzeuge zerstören ab und an die Stille jäh, und es ist gut, wenn sie wieder weg sind. Mit wenigen Schritten ist man in der Stille, in der Ruhe, der Weite, Einsamkeit und Tiefe dieser atemberaubenden Landschaft, und taucht einfach ein in einer besonderen Stimmung. Spuren im tiefen Pulverschnee erzählen von zahlreichen Wanderern, Langläufern oder von Tieren. Meist aber ist man alleine unterwegs. Äußerst kurzweilig und sehr interessant sind der Besuch bei freundlichen Menschen auf einer Rentierfarm, und eine Tour mit traditionellem Schlitten, rasant gezogen von einem sechser Husky-Gespann. In dieser einen Woche war es nahezu windstill. Nebel wechselte mit Sonnenschein, und in zwei klaren Nächten erhellten Polarlichter das gesamte Firmament mit ihren grünen Schlangen und Drachenformen, mit rötlichen Strahlen vor den Sternen, bis hoch hinauf in den Zenit.